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Mexiko

Fotos sind Aufmerksamkeitserreger, Eyecatcher, aber auch Informationsmedium. Schneller als jedes andere Medium vermitteln Fotos direkt oder indirekt Informationen, die unmittelbar von unserem Gehirn verarbeitet werden. Jemand, der diese visuelle Informationsanalyse zur Perfektion treibt ist Sherlock. In der BBC-Serie um den genialen Londoner Detektiv wird die Motivanalyse zwar überspitzt, aber durchaus realistisch dargestellt.
Sherlock betreibt bewusst, was wir nur unbewusst wahrnehmen. In unserer Artikelserie versuchen wir, uns das Sherlocken ein wenig bewusster zu machen.

Seit jeher haben mich Fotos fasziniert. Die ersten „Fernreisen“ unternahm ich schon als Vorschulkind dank der Magazine stern und GEO im elterlichen Haushalt durch doppelseitige Fotos von Gegenden und zum Beispiel Street-Szenen, die mir fremd anmuteten, die mich aber eben deshalb faszinierten. Woher dieses Fremdeln kam, war mir damals nicht bewusst. Aber ich wusste auch ohne das Lesen der Bildunterschriften, wenn ein Foto zum Beispiel nicht in Deutschland aufgenommen worden war.

„Du musst die ganze Geschichte in einem Bild erzählen!“ Das war später die Ansage meines Fotochefs, als ich 1990 zu den ersten Terminen für die BILD-Redaktion in Düsseldorf geschickt wurde. „Denn wir heißen BILD, nicht TEXT.“ Das ist die Ansage, die mich nun seit 26 Jahren immer noch begleitet, auch wenn ich damals nach 2,5 Jahren die Marke gewechselt habe.

Unbewusste Informationen bewusst einbauen

Dieses Wissen um visuelle Informationsträger kann bei der Inszenierung von Fotos hilfreich sein. Egal ob ein Foto für ein Blog oder einen Social-Media-Kanal eingesetzt werden soll: Wir können ein Motiv so in Szene setzen, dass dem Betrachter schon beim Blick auf das Foto Informationen vermittelt werden. Informationen, die ihn auch einladen, die zugehörige Bildunterschrift oder den Artikel zu lesen, weil das Foto neugierig gemacht hat.

Dazu werden wir uns erst mal der allgemeinen Bildanalyse nähern.

Sherlocken: Wo sind wir denn hier?

Fangen wir auf der Suche nach der Bildinformation mit etwas einfachem an:
Wo wurde dieses Foto aufgenommen? Oder, noch einfachere Frage: Wo wurde es NICHT aufgenommen?

Foto: Sandra Schink

 

 

 

 

 

Na? Erkannt?

Was ging Ihnen als erstes durch den Kopf?
Vermutlich war Ihnen sofort klar, dass wir hier nicht in Deutschland sind, richtig? Woran haben Sie das erkannt?

Zwar ist das Auto von einem deutschen Hersteller, doch alles andere spielt eindeutig nicht in Deutschland. Hinweise darauf sind die Vegetation, die Art der Verkehrsschilder und die Form und der Aufbau des Nummernschildes. Nichts davon gibt es in Deutschland. Über all das denken wir beim Betrachten des Bilds nicht mal nach. Wir saugen die Hinweise einfach auf und wissen unmittelbar, dass dieses Bild im Ausland entstanden ist. Und damit haben wir schon eine essentielle Information des Bildes aufgenommen.

Wo aber genau könnten wir sein? Schauen wir etwas genauer hin.

  • Nicht mal das Rindvieh auf dem Verkehrsschild sieht europäisch aus.
  • Das Auto fährt augenscheinlich rechts, also können wir nicht in Australien oder Neuseeland sein, denn dort herrscht Linksverkehr.
  • Die Landschaft sieht aus als würde es selten regnen.
  • Zudem sind viele recht große Kakteen auf dem Hügel zu sehen. Wer sich mit Vegetation etwas auskennt weiß, dass sie in der Form und Dichte nur auf dem amerikanischen Kontinent jeweils am nördlichen oder südlichen Wendekreis vorkommen.
  • Dieses Modell des deutschen Herstellers wird seit einiger Zeit in Mexiko gefertigt
  • …ah! Vermutlich befinden wir uns irgendwo in Mexiko!

 

Sherlocken

Aber halt: Woher soll man das denn alles wissen?

Richtig, die Sache mit den im Bild versteckten Informationen hat einen Haken. Wer zum Beispiel ohne Internet und Fernsehen auf der autofreien Insel Langeoog aufgewachsen ist und seine ganze Bildungsaufmerksamkeit sein Leben lang deutschen Dichtern gewidmet hat, der wird nicht mal wissen, was das für ein Auto ist. Okay, auch dieses Szenario ist unwahrscheinlich. Aber wer weiß schon, wo ein bestimmtes Automodell gefertigt wird, oder wo Kakteen genau wachsen oder nicht wachsen?

Ich denke dieses Beispiel macht klar: Wenn wir jemandem über ein Foto Informationen vermitteln wollen, dann müssen wir uns darüber bewusst sein, dass er diese Information auch lesen und deuten können muss.

Sherlocken in Serie

In den folgenden Beiträgen unserer Sherlocken-Serie zeige ich weitere Beispieel über Bildinformationen und visueller Informationsvermittlung.

Konkrete praktische Beispiele für die Fotoinformationsgestaltung, Fototricks, -tipps, -apps und -inspiration vermitteln wir in unserem Tagesworkshop am 7. Februar 2017 in der Modern Life School im Hamburger Gängeviertel. Die Tickets dazu erhalten Sie hier. Bis zum 23. Januar gibt es noch Frühbucher-Tickets!

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